"Letzte Bitte eines Vaters"

Typ: Brief
Von: Zahir al-Mazrûn


Wenn du diese Worte liest, dann bist du tiefer in meine Sünde vorgedrungen als irgendein Sterblicher seit meinem Tod.

Wisse dies: Alles, was hier ruht, wurde aus Liebe geboren, und aus Verzweiflung verdorben.

Meine Tochter Ethyl war das einzige Licht in einem Reich aus Sand und Stahl. Als Krankheit sie befiel, sandte ich Boten in jede Himmelsrichtung. Ich kaufte Heilung mit Gold, mit Blut und mit Versprechen, die kein König geben sollte. Selbst die Drachenwurzel, die aus dem Herz der Welt wächst und jede bekannte Krankheit bricht, vermochte sie nicht zu retten.

Als selbst die Wunder der Erde versagten, griff ich nach den Schatten.

Mein Kind lebt… doch ihre Seele wanderte fort. Was in diesem Grab wandelt, ist nur eine Hülle, verflucht zu einer Ewigkeit, die sie niemals wollte.

Doch bevor ich meinen letzten Atem tat, fand ich eine letzte Hoffnung.

In alten Schriften, älter als mein Reich, wird von einer Frucht gesprochen: dem Engelsherz.

Man sagt, diese Frucht könne heilen, was kein Gott und kein Zauber zu heilen vermag:

Krankheit, Tod und selbst die tiefsten Flüche.

Sie soll in den ewigen Feldern von Elysium wachsen, wo die Seelen der Gerechten wandeln.

Doch die Schriften berichten auch von einem einzelnen Baum, der außerhalb dieser Ebenen steht, hoch in Celestia, im Tempel der Ewigen Dämmerung, bewacht von Mächten, die kein Sterblicher leicht passieren kann.

Wenn es einen Weg gibt, meine Tochter zu retten, dann liegt er dort.

Ich habe diesen Weg nicht mehr gehen können.

Meine Kraft ist verbraucht. Mein Reich zerfallen. Meine Seele müde vom Kampf gegen Götter und Schicksal.

Darum bitte ich dich, Fremder, der diese Worte liest:

Wenn in dir noch Mitgefühl lebt, wenn dein Herz nicht so kalt ist wie das meine einst war, dann suche diese Frucht.

Bringe das Engelsherz zu meiner Tochter.

Befreie sie von der Ewigkeit, die ich ihr aufgezwungen habe.

Und wenn sie endlich ruhen darf… dann wird vielleicht auch meine Seele Frieden finden.