
Nyx ist die stille Richterin, die im Verborgenen über das Gleichgewicht der Welt wacht. Als Tochter des Totengottes Nivum und Schwester des Hitzkopfs Aath, verkörpert sie die kalte, berechnende Rache – jene, die lange reift, gerecht ist und niemals aus bloßer Wut geschieht. Im Gegensatz zu ihrem Bruder, dessen Rache brennt wie Feuer, ist Nyx wie das Eis: langsam, durchdringend und unumkehrbar.
In der göttlichen Ordnung nimmt sie eine besondere Rolle ein. Während Nivum selbst zu neutraler Beobachtung verpflichtet ist, ist es Nyx, die die Waage neigt. Sie führt eine uralte Organisation, den Kult der Totenführer, dessen Mitglieder über Kontinente verteilt agieren. Ihre Aufgabe: das Gleichgewicht wahren. Leben darf nur dort entstehen, wo zuvor der Tod Raum gemacht hat – und wo Leben raubt, fordert der Tod seinen Preis.
Viele sterbliche Kulturen sehen in ihr eine dunkle Richterin, eine Göttin des Endes. Doch die Eingeweihten erkennen in ihr die wahre Erhalterin des Lebens, denn durch sie wird verhindert, dass die Welt von endlosem Wachstum oder ewigem Sterben zerfressen wird. Ihre Rache trifft nur jene, die sich am Gleichgewicht vergangen haben – nie aus persönlichem Zorn, sondern aus einer universellen Ordnung heraus.
Nyx und Aath verbindet ein ewiger Konflikt. Ihre Philosophien könnten nicht unterschiedlicher sein. Während Aath seine Feinde verspottet und provoziert, um aus ihrer Wut Kraft zu schöpfen, spricht Nyx kaum ein Wort, bevor sie richtet. Sie sieht in den Emotionen ihres Bruders einen gefährlichen Bruch in der Balance, und es heißt, sie habe ihn vor Jahrhunderten eigenhändig verbannt – eingeschlossen im tiefsten Kern von Limbo, auf dass er dort über seine Taten nachdenke. Ob dies ein Mythos oder Wahrheit ist, vermag niemand zu sagen – doch viele Totenführer flüstern, dass Nyx' Blick seitdem nie mehr weich wurde.