
Nach dem Tod der sogenannten Verrückten Königin Daria Rigton versank Pandora in Chaos. Die Herrscherlinie des Hauses Rigton, die über Jahrhunderte das Reich Elyndor geeint hatte, war ausgelöscht. Kein direkter Erbe, keine festgelegte Thronfolge; nur leere Hallen, verbrannte Banner und eine Krone, die niemand wagte anzurühren.
In dieses Machtvakuum traten drei Thronanwärter, deren Ansprüche unterschiedlicher kaum hätten sein können und doch reichten sie aus, um einen dreißigjährigen Krieg zu entfachen, der halb Pandora in Blut tauchen sollte.
Der erste, der öffentlich seinen Anspruch erhob, war Lord Marvellan aus Lunathor, ein entfernter Verwandter der Rigtons über die Linie der dritten Schwester von König Aethar Rigton, der vor Jahrhunderten regiert hatte. Seine familiären Bande waren schwach und von vielen Historikern als „kaum mehr als ein Name auf Pergament“ bezeichnet worden. Doch Marvellan nutzte die Verwirrung nach Darias Tod und ließ sich in Lunathor zum rechtmäßigen Erben des Thrones von Pandora ausrufen.
Kurz darauf erhob sich Haus Aryn aus Thalmar, angeführt von Herzog Edrin Aryn, einem charismatischen Anführer und fähigen Seefahrer. Seine Abstammung war ungleich glaubwürdiger: Seine Urgroßmutter väterlicherseits war eine Schwester von Darias Großvater, damit besaß er einen der stärksten verbliebenen Blutsansprüche auf den Thron. Unterstützt von einer mächtigen Flotte und wohlhabenden Handelshäusern, segelten seine Banner über die silbernen Wellen der Küste direkt auf Elyndor zu, eine offene Provokation gegenüber Marvellan und allen, die sich gegen ihn stellten.
Doch noch ehe die Spannungen sich entladen konnten, trat eine dritte Fraktion auf den Plan: Lady Seraphyne von Myna, bekannt als die Drachenreiterin der Drachenbucht. Sie war keine Blutsverwandte der Rigtons, sondern eine unabhängige Herrscherin aus der fernen Inselstadt Myna. Ihre Macht gründete auf einem alten Pakt zwischen den Mynanern und den dort lebenden Drachen, Wesen, die seit Jahrtausenden als unantastbar galten. Seraphyne erklärte öffentlich, sie habe im Traum von einem die Bestimmung empfangen, Pandora zu einen.
Was folgte, war ein jahrzehntelanges Ringen aus wechselnden Bündnissen, gebrochenen Schwüren und verheerenden Schlachten. Während Marvellan sich in Lunathor eingrub und versuchte, seine Macht durch Heiratspolitik und Söldner zu festigen, führten die Flotten Thalmars und Mynas erbitterte Seegefechte entlang der Zweiwacht Halbinseln.
Trotz mehrfacher Annäherungsversuche aller Parteien blieb Haus Silberfels in den Königskriegen unparteiisch.
Den entscheidenden Wendepunkt markierte die Schlacht von Elyndor-Bucht im 29. Jahr des Konflikts. Lady Seraphyne führte in einem letzten Versuch ihre Drachenreiter gegen die vereinte thalmarische Flotte. Drei Tage und Nächte brannten Himmel und Meer vor Elyndor. Doch die thalmarischen Schiffe hielten stand und fällten schließlich genug Drachen um Lady Seraphyne zum Rückzug zu zwingen.
Seraphyne wurde verwundet, floh nach erst nach Myna, wurde dort aber verstoßen und floh weiter nach Osten mit einer überschaubar kleinen Gefolgschaft. Edrin Aryn zog in Elyndor ein, ließ die alten Hallen wiederaufbauen und nahm den Namen Rigton an, um das Band zur alten Dynastie zu wahren. Edrin nahm Lord Marvellan aus Lunathor trotz seiner politischen Unbedeutsamkeit als Berater und Verwalter ins Königshaus mit auf, um potentielle Konflikte zu vermeiden.