
Die Besiedlung Pandoras gilt als eine der größten Migrationsbewegungen in der Geschichte Terrans.
Sie begann noch während der letzten Jahre des Ersten Aschekriegs und dauerte etwa drei Jahrzehnte an, bis sie offiziell als abgeschlossen gilt.
„Wir verließen das brennende Land, doch das, was wir suchten, war kein neues Reich.
Es war Vergebung.“ - Aeravel Thirwen, Gründerin von Elyndor
Während Aeternum in Flammen stand und die Höllenlegionen das Land verwüsteten, suchten die Überlebenden Zuflucht jenseits des Meeres auf einem Kontinent, der schon seit Jahrhunderten bekannt, aber nie wirklich erobert worden war: Pandora.
Schon in den Jahrhunderten zuvor war Pandora von Entdeckern beschrieben worden als wild, gefährlich, von dichter Vegetation überwuchert und von seltsamen, uralten Mächten durchzogen.
Es hieß, dort lebten Feen, Satyre und andere Geschöpfe der Magie,
die über dünne Schleier zwischen den Welten von jenseits herübergekommen waren.
Bis dahin hatte man Pandora gemieden, denn das Land selbst galt als unberechenbar:
die Wälder flüsterten, Flüsse veränderten ihren Lauf, und Reisende verschwanden spurlos in Nebeln, die angeblich die Grenze zum Feenreich markierten.
Doch nun schien selbst ein verfluchtes Paradies besser als die brennende Hölle des Aeternums.
Während des ersten Aschekrieges verließen ganze Flotten von Flüchtlingsschiffen die Häfen des brennenden Aeternums.
Viele dieser Schiffe waren umfunktionierte Handelsschiffe, alte Kriegsschiffe oder improvisierte Flöße.
Nur ein Bruchteil erreichte tatsächlich Pandora, viele gingen auf der Überfahrt verloren, geplagt von Stürmen, Hunger, Krankheiten oder Seeungeheuern.
Trotzdem wuchs in den folgenden Jahrzehnten eine stetige Welle von Siedlern an, und schließlich entstanden die ersten dauerhaften Kolonien:
kleine Hafenstädte, die sich entlang der westlichen Küste des neuen Kontinents ausbreiteten.
Der wichtigste dieser Anlaufpunkte war eine Insel westlich des Festlands,
auf der später die Hauptstadt Elyndor gegründet wurde.
Anfangs war Elyndor kaum mehr als ein Zufluchtslager,
errichtet von Elfen, Halblingen und Menschen,
die unter der Führung der Elfischen Magistra Aeravel Thirwen
eine sichere Zone im Chaos der Ankunft errichten wollten.
Die Insel bot Schutz vor den magischen Kreaturen des Festlands
und lag günstig für Schiffe, die aus Aeternum eintrafen.
Mit der Zeit wurde sie zum zentralen Dreh- und Angelpunkt der Besiedlung Pandoras;
ein Sammelpunkt, eine Zuflucht,
und schließlich das Herz einer neuen Zivilisation.
Die ersten Siedler berichteten von seltsamen Begegnungen:
Feenwesen, Satyre, Dryaden und wandelnde Schatten,
die in Harmonie mit dem Land lebten,
aber jede dauerhafte Ansiedlung mit Argwohn betrachteten.
Es kam zu kleineren Konflikten, doch im Gegensatz zu den brutalen Eroberungszügen des alten Aeternums stand dieses Mal das Überleben über allem.
Viele Flüchtlinge respektierten die Macht Pandoras,
lernten von den Feenwesen und begannen,
die dort allgegenwärtige Magie zu verstehen.
Diese Haltung prägte Pandora nachhaltig:
Es wurde zum Kontinent der Magie und des Gleichgewichts,
wo Natur und Zivilisation nicht gegeneinander,
sondern nebeneinander existieren sollten.
Etwa 30 Jahre nach dem Untergang Caldorias,
also um 3.970 v. d. K., endete die große Fluchtbewegung. Die Höllenportale waren geschlossen, Aeternum war weitgehend entvölkert, und die Ära der Reiche begann.
Pandora blieb jedoch ein Zufluchtsort für viele Jahrhunderte danach.
Immer wieder kamen kleinere Gruppen über das Meer,
auf der Suche nach einem besseren Leben, nach Frieden oder einfach nach einem Neuanfang.
Doch die Zeit der Massenwanderung war vorüber und Pandora begann, ein eigenes, unabhängiges Reich zu werden.