„Aus Asche wurde Eis, und aus dem Eis steigen wir stärker hervor!“ - Thrain Dhondur, Begründer von Dhondur


Mit dem Fall Caldorias, der einst glanzvollen Metropole des Wissens und des Goldes, endete ein Zeitalter, das die Gelehrten später als die Ära der Frühzeit bezeichnen sollten. Die Erde bebte, als die Sphäre von Caldoria entfesselt wurde, und in einem einzigen, grellen Augenblick verschlang göttliches Feuer, was tausende Jahre Kultur, Handwerk und Glaube hervorgebracht hatten. Nur wenige überlebten, und jene, die den Blick gen Norden richteten, sahen im fahlen Licht der Aschewolken die letzten Hoffnungsschimmer einer neuen Welt. Dort, jenseits des aufgewühlten Mittmeeres, sollte sich ein Kontinent ausdehnen – karg, kalt und ungezähmt – Äon, das Land aus Eis und Schweigen.

Die Flucht dorthin war kein triumphaler Zug von Pionieren, sondern eine Verzweiflungstat. Die Schiffe, die den Zorn des Meeres trotzten, gehörten in erster Linie den Zwergen von Haus Dhondur, deren mächtige Festungen tief in den Ausläufern des Juwelenkamms die ersten Wellen des Aschekrieges überstanden hatten. Während Caldoria in Flammen aufging, hielten die Dhondur stand, geschützt durch Stein, Stahl und uralte Schmiedekunst. Als das Inferno abgeklungen war und der Himmel selbst schwarz vor Rauch hing, beschlossen sie, das Alte Reich hinter sich zu lassen und in der Ferne eine neue Heimat zu suchen – fern vom Krieg, fern von den Teufeln, fern von allem, was sie verloren hatten.

Die Überfahrt über das Mittmeer dauerte viele Monate und forderte einen hohen Blutzoll. Von den acht Schiffen, die die Expedition begonnen hatten, erreichten nur drei die vereisten Küsten Äons. Dort, wo die Sonne nur flach über den Horizont streifte, fanden die Zwerge kein Land des Überflusses, sondern ein Reich der Finsternis und des Frostes, bewohnt von gewaltigen Bestien und von einer Kälte, die Fleisch und Stahl gleichermaßen fraß. Dennoch ließen sie sich nieder. Inmitten des gewaltigen Lakjet-Gebirges, dessen Gipfel die Wolken zerrissen, schlugen sie ihre ersten Hallen in den Stein. Aus einer Ansammlung provisorischer Höhlen und Tunnel wuchs im Laufe der Jahrzehnte eine Stadt – Dhondur, benannt nach ihrem Anführer Thrain Dhondur, dem Schmiedekönig und Vater der neuen Ära.

Die frühen Jahre waren geprägt von endlosen Kämpfen gegen die Natur und die Kreaturen, die Äon bewohnten. Schattenwölfe, lautlose Jäger der Nacht, trieben die Siedler an die Grenzen der Vernunft, während Eisriesen und Yetis die äußeren Täler heimsuchten. Ganze Generationen von Zwergen fanden in den Schneestürmen ihren Tod, doch ebenso viele fanden Ruhm in der Verteidigung ihrer Hallen. Thrain Dhondur selbst soll, so berichten spätere Chronisten, den letzten Schattenwolf mit einem Hammer aus Froststahl erschlagen haben; ein Symbol für den Sieg über die Kälte, das bis heute über den Toren der Stadt prangt.

Mit der Zeit trafen weitere Überlebende aus dem Süden ein – Elfen, Gnome, Halblinge und Menschen –, getrieben von Hunger, Furcht und der Hoffnung auf einen Neuanfang. Doch als sie die Tore Dhondurs erreichten, fanden sie sie verschlossen. Die Zwerge, die sich mühsam in den Stein des Lakjet gefressen hatten, wollten ihr hart erkämpftes Reich nicht teilen. Nur Zwergenblut durfte durch die Hallen wandeln, und so begannen die anderen Völker, an den Küsten und Ebenen Äons eigene Siedlungen zu errichten. Die Winter waren grausam, die Nahrung knapp, und viele Siedlungen verschwanden so schnell, wie sie entstanden waren. Doch mit jeder Generation lernten die Menschen und Elfen, sich dem Land anzupassen.

In dieser Zeit entstanden die ersten Nordlande – Gemeinschaften aus Überlebenden, die der Kälte trotzten, ihre Körper abhärteten und ihre Lebensweise den harschen Bedingungen anpassten. Ihre Haut wurde bleich, ihre Bewegungen langsamer, aber zielgerichtet, und ihre Kultur von einer tiefen Ehrfurcht vor dem Frost geprägt. Bei den Elfen Äons wandelte sich die einst goldene Anmut ihrer südlichen Vettern zu einer stillen, silbernen Kälte; ihre Magie wurde präziser, aber zugleich auch gnadenloser.

Über drei Jahrhunderte hinweg dauerte dieser Prozess, ein Kampf gegen das Land selbst. Doch als die letzten Flüchtlingszüge endeten, hatte sich Äon gewandelt – von einer unbarmherzigen Einöde zu einem neuen Zentrum der Macht. Die Stadt Dhondur wurde zur Wiege eines neuen Zeitalters, und ihr Schmiedeklang hallte über das ganze Land.

So begann die Ära der Reiche, eine Zeit, in der das Überleben selbst zur größten Tugend wurde. Die Welt war kleiner geworden, kälter und härter, doch in den Flammen der alten Welt war etwas Neues geschmiedet worden – eine Generation, die wusste, dass nichts ewig ist, außer das Eis.